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Geführt wurde das Interview mit Lisa Tunnah von Vulcan Software im Februar 1998 und wurde in der NoCover 49 des APC&TCP veröffentlicht.

Interview: Vulcan Software

Vulcan Soft. produziert Spiele ausschließlich für den Amigamarkt: nach all den Ereignissen der Vergangenheit ein sehr kleiner - oder nett formuliert: ein sehr exklusiver Markt.

In erster Linie sind wir ein Amigaspiele-Entwickler, auch wenn wir über ein Jahr lang mehrere PC-Titel in Entwicklung hatten.
Wir genießen es Teil der Amiga-Gemeinschaft zu sein und wir werden weiterhin Spiele veröffentlichen, so lange der Markt uns überleben läßt.

Ihr sagt über euch selbst, daß Vulcan Soft. weltgrößter Spieleentwickler für den Amiga ist. Sicher - in der Vergangenheit hat Vulcan Soft. sehr viele Spiele produziert, aber in jüngster Zeit waren es gerade mal zwei: "Strangers" und "Final Odyssey".

Vulcan Soft. hat bisher 10 Spiele auf Disketten und 3 Spiele auf CD veröffentlicht. "Strangers" wurde im September 97, "Uropa 2" im November 97 und "Final Odyssey" im Dezember 97 herausgebracht.
Es klaffte eine zeitliche Lücke zwischen unseren letzten Spielen ("Tiny Troops" und "Burnout") und "Strangers", weil wir die Arbeit an unseren Titeln immer NOCH weiter vorwärts treiben und zum jetzigen Zeitpunkt sind alle unseren derzeitigen Amiga-CD-Rom-Titel noch immer in einem frühen Entwicklungsstadium.
Doch im Februar wird "Genetic Species" kommen - dieses exzellente und lang erwartete Spiel wird überdies Vulcan Soft. als Hersteller hochqualitativer Amiga CD-Rom Software (unsere "Mega-Series"-Reihe) etablieren.
Erscheinungsdaten für "Hard Target" und "Desolate" müssen noch festgelegt werden, diese werden jedoch nach "Genetic Species" kommen. Unterdessen läuft die Entwicklung an unseren anderen Spielen weiter, die dann gegen Jahresende veröffentlicht werden.

Wenn ein InternetSurfer auf eurer sehr guten HomePage vorbeischaut, dann kann er dort sehen daß Vulcan Soft. Spiele für PPC vorbereitet.

"Explorer 2260" und "Maim & Mangle" sind die beiden Spiele, die Vulcan Soft. momentan in der Entwicklung hat. "The World Foundry" ist unser Entwicklungsteam das hinter diesen beiden Spielen steckt und wir sind alle äußerst erfreut über die Möglichkeit für High-End Amigas zu entwickeln.

Andererseits produziert ihr immer noch Spiele wie "Final Odyssey": Spiele, die lediglich einen 68000 Prozesor und 2 MB Ram vorraussetzen. Und das im Jahre Fünf nach AGA und dem 68020er.

Es ist wichtig, daß wir uns für den Markt nicht zu schnell fortbewegen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind PPC-Karten erst für die A 4000 erhältlich, die Karten für A 1200 müssen erst noch erscheinen. Und zugleich "genießen" viele Anwender immer noch ihre langsameren Amigas wovon jedoch viele CD-Laufwerke haben.
Vulcan Soft. unterstützt den Markt einfach in seinem momentanen Level, während gleichzeitig Spiele entwickelt werden die so spektakulär sind daß sie die Anwender dazu ermutigen werden ihre Amigas aufzurüsten.

Heißt dies aber nicht, daß auch der letzte Amigaspielefan in die Hände Gates getrieben wird? Auf dem PC gibt es bereits die ersten Spiele, die spezielle 3D-FX Grafikkarten benö- tigen und auf dem Amiga müßen die Spieler immer noch mit 32-Farben Spiele zu frieden sein. Sicher, Grafikeffekte sagen nichts über das Spiel aus, aber sollte ein Spiel wie "Final Odyssey" nicht auch in einer hohen Auflösung möglich sein?

Ich befürchte daß der Amigamarkt diesen Weg nicht begehen kann. Wenn genügend Leute ihre Amigas aufrüsten, und zwar in einem Umfang der es uns erlauben würde ausschließlich High-End Spiele zu veröffentlichen, dann wären wir Überglücklich dies zu tun. Momentan hat nur ein Teil des Marktes aufgerüstete Amigas und ein sehr großer Teil eben auch nicht.
Letztendlich muß Vulcan Soft. das tun, was zum überleben wichtig ist.
"Final Odyssey" darf sich spektakulärer Grafiken rühmen und die CD bietet zwei Versionen des gleichen Spieles: eine für ECS- und eine für AGA-Besitzer. Wenn sich irgendjemand über fehlende Farben in Amigaspielen beschwert, dann denke ich daß "Final Odyssey" ein schlechtes Beispiel dafür ist.
Ich habe noch nie besseren Gebrauch von Farben, Beleuchtung und Reflektionseffekten in irgendeinem anderen Spiel gesehen, egal ob auf Amiga oder PC.

Als Kontrast zu "Final Odyssey" habt ihr "Genetic Species" im Programm. Ein Spiel über das ihr prophezeit, daß es der beste Shooter ist der je für Amiga gemacht wurde.
Nun, das werden wie ja sehen.
Zugleich benötigt "Genetic Species" als Minimum lediglich einen 68020 Prozessor, obwohl schon das Demo - Version 2.0, mit großen Pixeln und durchschnittlichen Texturen - auf einem 68060er nicht flüssig läuft. Es ist ersichtlich, daß dieses Spiel zum vernünftigen Ablauf ein sehr schnelles Amigasystem benötigt. Wieso wird "Genetic Species" nicht von Beginn an auf 68040/68060 Prozessoren festgelegt?

Das ist in der Tat nicht der Fall. Der Grund, wieso du keine anständige Geschwindigkeit bekommst, liegt an deinem Amiga oder an der Demo-Version die du benutzt. Die beste Lösung die ich habe ist die Demo Version 3.0, die von der Vulcan Website bezogen werden kann.
Der Chefprogrammierer von "Genetic Species" hat eine Picasso Grafikkarte, so daß es in dieser Hinsicht keine Probleme geben wird und es ist uns jetzt gelungen eine Geschwindigkeit von 50 Frames pro Sekunde zu erreichen. Alle Probleme werden in der Verkaufsversion ausgemerzt sein und so muß ich dich bitten unserem Versprechen zu glauben, daß dies das beste und schnellste Spiel seiner Gattung wird daß je für den Amiga gemacht wurde. Sogar 68020-Besitzer werden nicht enttäuscht sein.
Minimal benötigt "Genetic Species" einen AGA-Amiga mit 2 MB Chip- und 8 MB Fastram, eine Festplatte und ein 2x CD-Laufwerk. Mit mehr Speicher und einer schnelleren CPU wirst du schnell entdecken, daß "Genetic Species" grafisch brilliert und bei einem passend gewählten Bildschirmformat wirst du von erschlagend-schneller Action verwöhnt werden.
Und um die Qualität noch weiter zu heben: wenn du eine CyberGFx oder Picasso96 Grafikkarte hast, dann wirst du schon bald feststellen für was der Amiga gemacht wurde. Grafikkartenbesitzer brauchen übrigens nur 0.5 MB Chipram.

Als Spielehersteller und -vertreiber könnt ihr ja nicht nur von guten Kritiken leben. Sind die Verkaufszahlen denn zufriedenstellend?

Es wäre unsinnig so zu tun als ob die Verkaufszahlen so hoch sind wie sie einst waren. Der Amigamarkt war immerhin im Niedergang begriffen.

Im November war in Köln die Amigamesse. Aber Vulcan Soft. war nicht unter den Ausstellern in der Messehalle - für viele Spieler eine Enttäuschung.

Vulcan hatte keinen eigenen Stand, jedoch hatten wir ein Werbevideo auf dem Stande Amiga Internationals laufen und "Eternity" und "CoolBits" führten Demos von "Uropa", "Final Odyssey" und "Genetic Species" vor, ebenso verkauften sie all unsere Spiele.

Wurde "Uropa 2" nicht ursprünglich als Shareware vertrieben?

"Uropa 2" war ursprünglich eine Shareware-Veröffentlichung, aber wir dachten, daß in "Uropa 2" das Potential eines kommerziellen Spieles steckt. Wir haben hart gearbeitet um dieses Realität werden zu lassen und haben an der ursprünglichen Version viele Veränderungen vorgenommen.

Eure Spiele besitzen ja nur Online-Anleitungen - aber viele Spieler bevorzugen gedruckte anleitungen.

Es ist einfacher und kostengünstiger Online-Anleitungen herzustellen.

In Deutschland hat soeben ein weiteres Magazin - das Amiga-Magazin - den Betrieb eingestellt. Angeblich wegen der schlechten Amigasituation. Wie sieht es denn in England an?

Vor zwei Jahren hatten wir noch 10 Amigamagazine in England. Jetzt haben wir zwei. Es war sehr traurig diese gehen zu sehen, aber "Amiga Format" und "CU Amiga" arbeiten noch immer hart für den Amiga und seine Gemeinde.

Gebt ihr dem Amiga eine Überlebenschance?

Es gibt immer eine Chance daß sich Dinge verbessern und wir hoffen alle das dies der Fall sein wird. Es wird immer ein Fundament an Amigabenutzern geben, aber ohne Investitionen wird es möglicherweise darin enden, daß es nur noch eine kleine Gruppe von Enthusiasten sein wird. Nur die Zeit kann uns dies zeigen, aber es wäre schön daran zu glauben, daß der Amiga eine blendende Zukunft hätte.

Wie bewertet ihr in diesem Zusammenhang die Bemühungen seitens Amiga International?

Diese will ich zum momentanen Stadium nicht kommentieren, viele ihrer Pläne müssen erst noch in die Tat umgesetzt werden.

Was sollte denn ein zukünftiger Amiga für Daten haben?

Der einzigste Weg für den Amiga zum überleben - als Allround-Computer für daheim und zum kreativen Nutzen - wäre der, daß seine Hardware und die verfügbare Software vergleichbar zu denen anderer Plattformen wäre. Auch der Preis müßte niedrig genug sein um Anwender zum Amiga zurückzuziehen.

Was sind eure Wünsche für die Zukunft?

Das Ziel für Vulcan Soft. bleibt immer dasselbe: wir wünschen den Amiga so lange wie nur möglich zu unterstützen und wir werden fortfahren nur Software höchster Qualität herzustellen.

Gibt es irgendetwas daß du uns sagen willst?

Nur meinen Dank an die Amigagemeinde für die kontinuierliche Unterstützung und Ermutigung.

Ich bedanke mich sehr für dieses Gespräch und ich wünsche dir und Vulcan Soft. viel Erfolg in der Zukunft.

Vielen Dank.

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Stand: 19.12.2014